{"id":467,"date":"2012-08-28T12:48:31","date_gmt":"2012-08-28T10:48:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.haleh-gallery.com\/?p=467"},"modified":"2015-05-05T13:33:46","modified_gmt":"2015-05-05T11:33:46","slug":"the-journey-continues","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.haleh-gallery.com\/de\/the-journey-continues\/","title":{"rendered":"THE JOURNEY CONTINUES"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er\u00f6ffnung: 14. September 2012, 18 Uhr<\/p>\n<p>Wer reist, sieht mit sch\u00e4rferem Blick: das Fremde, weil es noch unbekannt ist, aber auch das Vertraute, weil man es bei der Heimkehr mit neuen Augen sehen kann. Mit der Ausstellung The Journey Continues f\u00fchrt die Haleh Gallery vier K\u00fcnstler zusammen, die als Pendler zwischen Europa und dem Iran die Perspektiven beider Weltregionen kennen und zwischen ihnen vermitteln. In eindringlichen Photographien, Filmen und Skulpturen entwickeln Stefan Nimmesgern, Koorosh Asgari, Javid Tafazoli und Zahra Hassanabadi ihre je ganz pers\u00f6nliche Vision des Landes. Dabei zeigen sie eine Gesellschaft, die selbst auf der Reise ist: in eine Moderne, deren Vers\u00f6hnung mit den Traditionen der Menschen erst noch ausgehandelt werden muss.<\/p>\n<p>Stefan Nimmesgern (*Saarlouis \/ Deutschland 1956) wurde 2005 bekannt, als er Reinhold Messner auf der Suche nach den sterblichen \u00dcberresten seines 1970 verungl\u00fcckten Bruders G\u00fcnther zum Nanga Parbat begleitete. Seine im Jahr darauf entstandenen Bilder aus dem Iran sind leiser, aber nicht weniger intensiv. Sie dokumentieren Menschen und Kultur des Landes aus der Sicht des westlichen Photographen, aber auch vor dem Hintergrund einer pers\u00f6nlichen Familiengeschichte, die eng mit dem Mittleren Osten verbunden ist. Erinnerungen an die verblichene Pracht des alten Persiens und seiner gl\u00e4nzenden St\u00e4dte, an deren Gestaltung Nimmesgerns Gro\u00dfvater seit den 1930er-Jahren als Architekt beteiligt gewesen war, mischen sich mit der Erfahrung des heutigen, zwischen Vergangenheit und Fortschritt zerkl\u00fcfteten Iran: \u201eIch sah die Widerspr\u00fcche, die Br\u00fcche in der Gesellschaft, den Kampf der Frauen, teils listig und klug, teils mit gro\u00dfer Vehemenz gef\u00fchrt. Einen Kampf um Freiheit und westliche Werte \u2013 aber auch das Gegenteil, den Widerstand, der all dies mit Macht zu verhindern sucht. Meine Kamera wurde Zeuge dieses Prozesses. In stillen Bildern zeige ich Menschen, vornehmlich Frauen, die aufbrechen wollen in eine andere Zukunft.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr diesen spezifisch weiblichen Beitrag zur sozialen Transformation fordern die Arbeiten von Koorosh Asgari und Javid Tafazoli vehement Respekt und Aufmerksamkeit.<\/p>\n<p>Koorosh Asgari (*Teheran 1972) umkreist in seinem Kurzfilm Shahrbanu (5:30 Min. \/ 2012) die stolze Sch\u00f6nheit iranischer Frauen. Mit au\u00dferordentlicher Eleganz tragen sie den Hijab, die traditionelle K\u00f6rperverh\u00fcllung aus schwarzem Tuch, die ihre Tr\u00e4gerinnen zugleich aber den Blicken entzieht und sie als individuelle Pers\u00f6nlichkeiten verschwinden l\u00e4sst. Der weichflie\u00dfende, geheimnisvoll dunkle Schleier steht somit als doppelb\u00f6diges Symbol sowohl f\u00fcr einen intimen Raum weiblicher Anmut und W\u00fcrde als auch f\u00fcr die gesellschaftliche Unsichtbarkeit der Frau, die in das textile Korsett ein- und von sozialer Teilhabe ausgeschlossen wird.<\/p>\n<p>Solche Mechanismen der Ausgrenzung analysiert auch Javid Tafazoli (*Bodschnurd \/ Iran 1982) in seinen photographischen Studien. Seine Portraits vollverschleierter Frauen erz\u00e4hlen vom Verlust weiblicher Identit\u00e4t durch ihre symbolische wie reale Ausblendung aus einer tiefreligi\u00f6s gepr\u00e4gten und m\u00e4nnlich dominierten \u00d6ffentlichkeit: \u201eUnser Gesicht ist der Spiegel unseres Innersten: unserer Angst, unserer Fr\u00f6hlichkeit, unseres Zorns. Nur dem, dem man in die Augen sehen kann, begegnen wir mit Verst\u00e4ndnis und Zuneigung. Wer kein Gesicht hat, kann nichts von sich mitteilen; seine Gesten, Gef\u00fchle, Bed\u00fcrfnisse, W\u00fcnsche werden undeutbar. Wem man das Gesicht nimmt, dem nimmt man sein Selbst.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr Zahra Hassanabadi (*Shiraz \/ Iran 1964, lebt seit 2001 in Deutschland) schlie\u00dflich ist Entmenschlichung ein universales Ph\u00e4nomen, das \u00fcberall auftritt, wo Macht und Ohnmacht asymmetrisch verteilt sind. Ihre Skulpturen und Installationen zielen deshalb auf allgemein zug\u00e4ngliche, emotionale Erlebnisse, die sich \u00fcber die Poesie des Materials vermitteln. So verwandelt sie in ihrer Serie der K\u00f6pfe die archetypische Form des Sch\u00e4dels durch den Einsatz beziehungsreicher Werkstoffe zu einer Metapher f\u00fcr die Verletzlichkeit jeder menschlichen Existenz: Spitze Zahnstocher sprechen von schmerzhaften Stichen, grobe Stahlwolle vom rohen Zugriff auf den K\u00f6rper. In die Vorstellung von physischer und seelischer Gewalt mischt sich aber auch die Anmutung von Zartheit und Fragilit\u00e4t, die die Assoziationen des Betrachters in der Schwebe h\u00e4lt. Besonders zum Tragen kommt diese Ambivalenz bei den K\u00f6pfen aus wei\u00dfem, textilem F\u00fcllmaterial, die mit wei\u00dfem N\u00e4hgarn so eng umwickelt sind wie der Kokon einer Schmetterlingslarve. Gedanken, Tr\u00e4ume, Hoffnungen sind hinter dem Fadengespinst gesch\u00fctzt \u2013 aber sie werden niemals ausbrechen und fliegen. Sinnlich und widerst\u00e4ndig zugleich, gespeist aus iranischer Bildtraditionen und Konzepten westlicher Kunst, verarbeiten die Werke Zahra Hassanabadis die pers\u00f6nliche Erfahrung einer zweifachen Distanz: gegen\u00fcber ihrer alten Heimat Iran und gegen\u00fcber Deutschland, das als eine m\u00f6gliche Heimat erst m\u00fchsam erschlossen werden muss. Angesichts ihrer eigenen Biographie stellt die K\u00fcnstlerin die Frage nach den Bedingungen und Begrenzungen von Humanit\u00e4t nicht nur an das Land ihrer Kindheit und Jugend, sondern an jede moderne Gesellschaft.<\/p>\n<p>Die Reise muss weitergehen, \u00fcberall, Schritt f\u00fcr Schritt.<\/p>\n<p>Nach neuen Blicken auf den Iran wirft die Haleh Gallery im November einen neuen Blick auf Deutschland: Wir freuen uns, mit den spektakul\u00e4ren Bildern Gerhard Launer das Werk des wohl bekanntesten deutschen Luftbildphotographen pr\u00e4sentieren zu k\u00f6nnen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Er\u00f6ffnung: 14. September 2012, 18 Uhr Wer reist, sieht mit sch\u00e4rferem Blick: das Fremde, weil es noch unbekannt ist, aber auch das Vertraute, weil man es bei der Heimkehr mit neuen Augen sehen kann. 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