{"id":659,"date":"2012-10-18T15:41:17","date_gmt":"2012-10-18T13:41:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.haleh-gallery.com\/?p=659"},"modified":"2015-05-05T13:33:46","modified_gmt":"2015-05-05T11:33:46","slug":"from-another-perspective","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.haleh-gallery.com\/de\/from-another-perspective\/","title":{"rendered":"FROM ANOTHER PERSPECTIVE"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<p>GERHARD LAUNER<\/p>\n<p>FROM ANOTHER PERSPECTIVE<\/p>\n<p>17. November \u2013 29. Dezember 2012 Er\u00f6ffnung: Freitag, 16. November 2012, 18 \u2013 21 Uhr<\/p>\n<p>Alles ist eine Frage des Standpunktes: selten l\u00e4sst sich diese Einsicht so unmittelbar nachvollziehen wie an den spektakul\u00e4ren Luftaufnahmen, die Gerhard Launer von seinen Expeditionen zwischen Himmel und Erde mitbringt. Mit der Ausstellung FROM ANOTHER PERSPECTIVE pr\u00e4sentiert die Haleh Gallery das Werk des wohl bekanntesten deutschen Luftbildphotographen \u2013 und wirft neue, \u00fcberraschende Blicke auf scheinbar Bekanntes.<\/p>\n<p>Wenn Gerhard Launer mit seiner Cessna aufsteigt, ist die Kamera sein Copilot. Denn Launer ist beides gleichzeitig: Photograph und Flugzeuglenker. Um seine Motive einzufangen, bewegt er nicht das Objektiv, sondern den ganzen Flieger. Seit \u00fcber 35 Jahren ist er so \u00fcber Deutschland unterwegs, immer auf der Suche nach neuen Blickwinkeln. Was seine Arbeiten faszinierend macht, ist genau dieser Perspektivwechsel: Aus der Distanz schrumpft die Welt zu einer fassbaren Gr\u00f6\u00dfe, kl\u00e4ren sich Zusammenh\u00e4nge, die vorher unsichtbar waren; aber zugleich erscheint das Vertraute pl\u00f6tzlich fremd und will mit anderen Augen gesehen werden. So kommt Launer den Dingen n\u00e4her, indem er sich von ihnen entfernt.<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Werke, in denen sich Stadt- und Naturlandschaften zu k\u00fcnstlerischen Texturen verdichten. Wie die impressionistischen Maler kehrt Launer zu manchen Sujets immer wieder zur\u00fcck, um sie im Wandel der Tageszeiten und Lichtstimmungen zu dokumentieren \u2013 etwa die tausend Facetten des Wassers: als glitzerndes Band in den blauen Dunst eines Nebelmorgens getupft, changierend zwischen nerv\u00f6s gekr\u00e4uselten Fl\u00e4chen und ruhig hingezogenen B\u00f6gen, zwischen leuchtendem Gr\u00fcn und flammendem Orange, zwischen tiefdunkel und glei\u00dfendhell. Mitunter reduziert Launer seine Gegenst\u00e4nde bis an die Grenze der Wiedererkennbarkeit zu graphischen Kompositionen aus Farben und Strukturen. Der Rhythmus von Feldern und Wegen erinnert dann vielleicht an Gem\u00e4lde Paul Klees, das Muster aus feinen Ackerfurchen und Traktorrinnen an die black paintings Frank Stellas.<\/p>\n<p>Besonders eindr\u00fccklich sind die Momente, in denen dem Betrachter alle Gr\u00f6\u00dfenma\u00dfst\u00e4be verlorengehen und nicht mehr zu unterscheiden ist, ob wir die Welt aus der Vogelperspektive oder in extremer Nahsicht sehen. K\u00f6nnten die Abraumhalden eines Braunkohletagebaus nicht ebensogut Strickmaschen sein oder Schwei\u00dfn\u00e4hte? Sehen die adrigen Priele im Wattenmeer nicht aus wie der stark herangezoomte Schnitt durch ein Blutgef\u00e4\u00df? Die Strukturen des arktischen Eises nicht wie seltsame R\u00e4dertierchen unterm Vergr\u00f6\u00dferungsglas? Launers Spiel von T\u00e4uschung und Ent-T\u00e4uschung l\u00e4sst die Grenze zwischen Makro- und Mikrokosmos verschwimmen. Und wir m\u00fcssen genau hinsehen, um die subtilen Hinweise auf die tats\u00e4chlichen Dimensionen zu finden: Ein hypnotisches, grau-schwarzes Raster wird erst als Licht-und- Schatten-Spiel am Berliner Holocaust-Mahnmal erkannbar, sobald am Bildrand ein H\u00e4uflein Touristen ins Auge f\u00e4llt; die erdigen Bahnen eines Feldes bleiben ornamentale Farbschlieren, bis man den winzigen Schatten eines einzeln stehenden Baumes entdeckt.<\/p>\n<p>Der Reiz von Launers Arbeiten liegt in eben diesem Kippeffekt. Nie geht es um eine reine Abstraktion. Die Welt, die der Photograph vor uns ausbreitet, mag uns verfremdet und unbekannt vorkommen; aber sie ist nicht fiktiv, sondern nur eine Version der einen, echten Welt, die uns t\u00e4glich umgibt. Eine andere haben wir nicht \u2013 und gerade deshalb stellen die Bilder Gerhard Launers in ihrer Sch\u00f6nheit auch die dringende Frage, wie wir diese Welt so, wie wir sie heute noch vorfinden, f\u00fcr die Zukunft erhalten wollen.<\/p>\n<p>\u2013<\/p>\n<p>Gerhard Launer, *1949 in Werneck (Bayern), erhielt schon als Kind Geigenunterricht, war im Alter von neun Jahren Sch\u00fcler des renommierten Violinp\u00e4dagogen Tibor Varga und begann mit 14 Jahren ein Studium am Konservatorium W\u00fcrzburg. Sein Ziel, Musiker zu werden, musste er aufgrund eines Unfalls aufgeben. Nach einem Grafikdesign-Studium und dem Erwerb der Berufspilotenlizenz ist Launer seit 1976 als Luftbildphotograph t\u00e4tig. Sein aus \u00fcber 200.000 Bildern bestehendes Archiv umfasst inzwischen Aufnahmen von etwa 70.000 Orten und St\u00e4dten in Deutschland sowie Ansichten von Landschaften und Sehensw\u00fcrdigkeiten in aller Welt. Neben Ver\u00f6ffentlichungen in zahlreichen Magazinen (Stern, View, Merian, Elle) sind von Gerhard Launer bisher mehr als ein Dutzend B\u00fccher erschienen, darunter Deutschland von oben \u2013 Tag f\u00fcr Tag (2004), Deutschland \u2013 Eine Luftbildreise (2010) und der Band Deutschland \u2013 Entdeckung von oben, der im Herbst 2011 in der Verkaufsrangliste des Deutschen Buchhandels (Rubrik Bildb\u00e4nde) bis auf Platz 1 kletterte. Daneben entstanden 2011 der animierte Film Traumreise Deutschland sowie die Ausstellung Faszination Deutschland, die in zahlreichen deutschen St\u00e4dten zu sehen war.<\/p>\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>GERHARD LAUNER FROM ANOTHER PERSPECTIVE 17. November \u2013 29. Dezember 2012 Er\u00f6ffnung: Freitag, 16. 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